In Persönliches

Wow – neue Effekte!

Jetzt ist es auch bei Zoom möglich: Präsentierende können sich selbst live und in Aktion direkt vor der PowerPoint-Präsentation einblenden. Damit können die Zuschauer:innen beides sehen: den Präsentierenden und die jeweiligen Folien.

Wenn ich punktuell damit präsentiere, staunen die damit noch unerfahrenen Teilnehmenden ob des Effektes. Ich ernte einen Wow-Effekt! Doch die Teilnehmenden sind auch sofort damit beschäftigt, wie sie das auch hinbekommen können.
Viele Menschen finden die neue Zoom-Funktion toll. Es entsteht ja auch der Eindruck, dass neben der Folien-Präsentation auch Kontakt zu den Teilnehmenden besser gehalten werden kann.

 Geht das auf die Dauer gut?

Doch ist das wirklich so und geht das auf Dauer gut?
Nach der ersten Begeisterung wird schnell deutlich, dass das Gehirn der Zuschauenden noch viel mehr zu tun hat. Es muss bei Online-Präsentationen ohnehin immer vom üblicherweise dreidimensionalen Sehen auf den zweidimensionalen Bildschirm umdeuten oder „umrechnen“. Dieses Umrechnen braucht Fokus und Energie, es senkt die Aufmerksamkeit der Zuschauenden. Diese geht dann vom inhaltsbezogenen „Zuhörpotential“ ab. Und nun sollen die Folie und die sich bewegende Person des Präsentierenden zeitgleich im Blick sein und so möglichst mehr erreicht werden?

Verständlich ist natürlich der Wunsch, den Präsentierende mit dieser Arbeitsweise verknüpfen: sie hoffen, dass dieser Effekt des Voreinanderlegens von Präsentation und eigener Liveeinblendung dafür sorgt, dass die Zuschauenden mehr angesprochen und eingebunden sein werden, dass ihre eigene Performance und ihre Präsentation „toller“ und ansprechender sind.

Gefahren bedenken

Doch zugleich besteht die Gefahr, dass die eigene Ausdruckskraft, Mimik und Gestik, der emotionale Ausdruck im Gesicht des Präsentierenden weniger im Blick der Zuschauenden sind, denn diese sich bewegende Person ist ja kleiner als üblich. Dabei macht es aus unserer Erfahrung einen großen Unterschied, ob die Zuschauenden dessen Person in „groß“ sehen und ihr zuhören können oder der Fokus auf eine Folie gelenkt wird. Profis präsentieren so, dass auch der Oberkörper zu sehen ist, also nicht nur das eigene Gesicht vor der Kamera. Damit lassen sich viele Details transportieren, die den Inhalt mittragen – Gesten, Mimik, Nähe oder mehr Distanz zur Kamera, ein Accessoire u.v.m.

Wer also dauerhaft die Folien und die eigene Person in Aktion als Präsentationsform nutzt, teilt die Aufmerksamkeit auf die eigene Performance und könnte sich hinsichtlich der positiven Effekte etwas vormachen. Und er sollte bedenken, dass außerdem die Gefahr besteht, die eigene Ausdrucksfähigkeit zu vernachlässigen.

Auch manche anderen technischen Raffinessen haben die Gefahr, dass sie sich als Effekt über die eigene Performance legen. Dabei sehnen sich die Menschen weniger nach Effekten sondern nach persönlicher Berührtheit, nach Nähe, nach Authentizität – diese können wir am besten ermöglichen, wenn wir sie selbst zeigen!

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Hahn auf dem Dach