In Persönliches, Speaker

Es macht einen Unterschied!

„Das ist die Niere von Zimmer 4.“

„Die Dementen sind im Erdgeschoss.“

1983, als ich in meinen ersten Beruf hineinwuchs, waren diese Schubladen, in die man die Menschen hineinsortierte, ganz normal. Mit ihnen wurde ich groß, doch störten sie mich von Anang an.

Menschen, die z.T. hilflos waren und sich nicht mehr wehren konnten, hatten also keine Chance, diese Zuschreibungen zu verändern, wenn sie es wollten. Sie trugen sie unfreiwillig wie einen Stempel auf der Stirn.

Aber über die Jahre änderte sich langsam der Sprachgebrauch in der Pflege.

Aus der Niere aus Zimmer 4 wurde Herr X, der eine Niereninsuffizienz hat.

Aus den Demenzkranken wurden Menschen, die u. a. eine Demenzerkrankung haben. Jahre dauerte es, bis medizinische und pflegerische Fachkräfte diesen Unterschied in der Kommunikation beachteten und umsetzten.

Für mich als Pflegeexpertin – ich verstehe mich noch immer als solche – macht es auch jetzt noch einen Unterschied, ob ich einen Menschen mit dem Titel der Schublade bezeichne, in den ich diesen Menschen hineinsortiert habe, oder ob es der Mensch selbst, also das Individuum ist, mit einer bestimmten Eigenschaft.

Seit geraumer Zeit beobachte ich immer wieder teils neue Schubladen, in die Menschen von anderen in  hineingesteckt werden, zumindest in der Kommunikation:

Die Coronaleugner, die Coronagegner, die Maskenträger, die Covidioten, die Verschwörungstheoretiker, die Lesben, die Schwulen, die Ausländer, die Flüchtlinge… – diese Liste könnte ich leider ewig weiter führen.

Aber wieso eine Schublade, warum diese Titulierungen?

Vielleicht weil das einfacher ist, als sich mit den wahren Beweggründen und Ansichten eines Menschen auseinanderzusetzen? Vielleicht weil es hilft, sich selbst besser zu fühlen oder aufzuwerten, wenn wir andere Menschen degradieren oder in diese Schubladen einsortieren? Vielleicht mag es damit auch einfacher erscheinen, die eigene Meinung oder Haltung zu definieren.

Doch Halt! Ich erlebe das ganz anders. Gerade wenn es vieles zu betrachten und zu bewerten gibt, ist ein fairer und genauer Blick wertvoll. Vorschnelle Urteile tragen in sich die Gefahr, die Sicht des anderen Menschen nicht mit einzubeziehen.

Ein Dementer ist kein Dementer, sondern ein Mensch einer Demenz. Es ist auch nicht der Krebskranke, sondern ein Mensch, der an Krebs erkrankt ist. Eine Lesbe ist nicht die Lesbe, sondern eine Frau, die Frauen liebt.

In erster Linie sind das Menschen, die anders sind bzw. denken als man selbst, sie haben eine andere Ansicht, eine andere Meinung. Nicht mehr und nicht weniger.

Als Ausbildungstrainerin, Speaker und Coach möchte ich dazu anstiften und beitragen – gerade in der aktuellen Situation, anders denkende und anders lebende Menschen differenzierter zu betrachten.

 

 

 

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