In Persönliches

Bald kommt die Zeit der guten Vorsätze. Das neue Jahr macht doch immer wieder Hoffnung, zumindest punktuell ein besserer Mensch zu werden: Gesünder leben, mehr Sport, weniger Stress, mehr Kultur, mehr Zeit für Freuden und Freunde etc. – So oder ähnlich lauten die Ziele, die offen oder auch still für sich ausgesprochen werden.

Ein Ziel ist sicher auch, ein wenig Ballast loszuwerden. Damit meinen die Menschen nicht nur den körperlichen Ballast durch die zusätzlichen Pfunde der Weihnachtszeit und der Wintermonate. Sie meinen auch den materiellen Ballast, der sich in Schränken, Regalen und Kellerräumen tummelt.

Ich habe in meinem Leben nicht nur einmal mein gesamtes Hab und Gut auf den Prüfstand gestellt und bis zu 90 % Prozent reduziert. Das letzte Mal als ich nach meinem Jahr als Business-Nomadin im Wohnmobil den Versuch begann, wieder sesshaft zu werden. Die eingelagerten – schon deutlich reduzierten – Sachen ließen sich auch nach dem Projekt noch einmal um fast die Hälfte reduzieren. Das war nicht einfach, aber das ist eine andere Geschichte.

Für diejenigen, die vielleicht noch vor der Weihnachtszeit mehr Klarheit haben möchten, die reduzieren, vereinfachen und minimieren wollen, sind vielleicht meine Erfahrungen eine wertvolle Hilfe.

Diese Gedanken stammen aus dem Manuskript meines Buches „Das pure Leben spüren“, dass im Februar 2018 im Gabal-Verlag erscheinen wird und gerade noch abschließend bearbeitet wird:

„Ausmisten“ und Reduzieren – die Ambivalenz zwischen Schwere und Erleichterung

Falls Sie sich zum ersten Mal mit dem Reduzieren materieller Güter und Habseligkeiten beschäftigen, gratuliere ich Ihnen erst einmal zu diesem Entschluss! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das einerseits eine nicht ganz leichte Aufgabe und zugleich eine sehr befreiende ist. Aufgrund dieser Ambivalenz möchte ich Ihnen zunächst einige Gründe aufzählen, warum das „Ausmisten“ manchen von uns schwerer fallen kann als anderen. Dafür ist unsere Prägung, die innere, vielleicht unbewusste Welt der Glaubenssätze maßgeblich.

Wenn Sie einen voll funktionsfähigen Gegenstand aus Ihrem Haushalt nicht ohne weiteres weggeben können, kann es dafür verschiedene Gründe bzw. Glaubenssätze geben:

  • Sie haben das Geld mühsam erarbeitet, um diesen Gegenstand zu kaufen.
  • Der Gegenstand ist „doch noch gut“, den gibt/wirft man doch nicht einfach weg.
  • Sie haben als Kind schon gelernt, dass „man“ Geschenke nicht weggibt oder weiter verschenkt.
  • Sie verbinden bestimmte Erinnerungen mit diesem Gegenstand und haben vielleicht das Gefühl, ihn deshalb nicht weggeben zu können.
  • Sie haben mehrere gleichartige Gegenstände und können sich nicht entscheiden, welchen Sie weggeben sollen.
  • Sie sind unsicher, ob Sie diesen Gegenstand noch einmal dringender benötigen als im Moment.
  • Sie haben Sorge, einen Fehler zu machen und das Weggeben zu bereuen.
  • Sie haben genug Platz und der Gegenstand „stört doch gar nicht“.

Und diese Liste lässt sich noch länger fortführen.

Nach meiner Erfahrung hilft es, sich das gegenteilige Bild vor Augen zu führen. Bevor ich in mein Wohnmobil-Jahr startete, habe ich viele Dinge zum Flohmarkt gebracht, am Anzeigebrett im Supermarkt angeboten und verkauft oder verschenkt. Was ich dabei gut fand, war die Freude bei den Käufern zu erleben, die meine Gegenstände bereiteten. Ich hatte nach dem Verkaufen oder Verschenken effektiv weniger Dinge zu handlen, die natürlich auch Aufmerksamkeit und Kraft kosten. Und ich hatte etwas Geld für mein bevorstehendes Projekt.

Von anderen Menschen weiß ich aber, dass sie es leichter finden, eine „Aktion Sperrmüll“ zu machen statt ihre Zeit auf einem Flohmarkt zu verbringen. Andere wiederum bevorzugen – je nach Größe der Objekte – eher Online-Anzeigen und verschicken die Gegenstände per Post und eher unpersönlich, was ihnen beim Loslassen hilft. – Ich hoffe, Sie finden einen für Sie passenden Weg, denn die Liste der Vorteile des „Ausmistens“ lässt sich sogar noch fortsetzen:

Vielleicht gibt es Dinge, die sich für Sie (unbewusst) auch mit unangenehmen Erinnerungen verbinden und die Sie deshalb nicht hochnehmen mögen. Eine Kiste mit alten Liebesbriefen womöglich… Dann kann dieser Prozess des „Ausmistens“ auch die Chance bieten, sich noch einmal mit dieser Lebensphase zu beschäftigen und gegebenenfalls Frieden damit zu schließen. Ob Sie diese Briefe in einer kleinen Zeremonie verbrennen, schreddern, der betreffenden Person zurückgeben oder etwas anderes damit machen, ist dann zweitrangig.

Ich wünsche Ihnen alles Gute beim Aufgreifen und Umsetzen dieser Ideen und Anregungen!

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